Kai Dieckmann, Holger Schmidt, die Bild und die Recherche
by Volker Davids
Am Donnerstag war es wieder so weit, etwas großes kündigte sich an, bzw. wurde angekündigt. @RZChefredakteur will der erste gewesen sein, der 38min nach Eröffnung bemerkte, dass niemand geringerer als Kai Dieckmann – der Chefredaktuer der Bildzeitung – das Twittern begonnen habe.
Am Anfang war die Meldung
Unter @Bildchef war zu lesen: “Auch ich kann meine Meinung ändern”. Die eigene RZ-Redaktion zollte ihrem Chefredakteur dann auch angemessenen Respekt ob dessen schneller Reaktion.
Auch für andere reichte diese Meldung offensichtlich als Beglaubigung. Postwendent empfahl @holgerschmidt @Bildchef im Tweetranking für den Bereich Journalismus. [Ob die Verwendung der Kategorie "Journalist" für einen Bildmitarbeiter zielführend ist, lass ich hier mal dahingestellt...]
@holgerschmidt hat seine Tweets nachträglich gelöscht, deshalb sind sie nur noch in der Twittersuche zu finden
Auf die Nachfrage, ob @holgerschmidt sicher sei, dass @Bildchef “echt” sei, folgte die Antwort: “Ich hoffe es.”
Um es kurz zu machen, aus der Hoffnung wurde nichts.
Auch wenn @RZCehfredakteur seine frühzeitige Meldung vorerst zu relativieren versuchte, der Fehler liegt nicht bei Twitter, sondern in seiner mangelnden Recherche bzw. seiner Ungeduld, etwas verkünden zu wollen, dessen er sich offensichtlich gar nicht so sicher war. (Dabei hätte ein Anruf im Vorzimmer vielleicht schon genügt -> SupSappel)
Der @Bildchef verschwand jedenfalls genauso schnell, wie er gekommen war. Was sogar @holgerschmidt auffiel.
Diese späte Erkenntnis blieb allerdings nicht unbemerkt, genauso, wie das Dilemma, das dieser kleine “Tweetwechsel” mit sich bringt.
Warum noch aufheben um die Angelegenheit machen? Weil @Bildchef als schönes Beispiel dafür dient, wie man twittern sollte, bzw. wie man es besser nicht machen sollte oder besser, was man beim Twittern beachten sollte. Zwei Aspekte stören mich an dem Beispiel @Bildchef ganz besonders.
Qualität & Seriösität – Ist ein Journalist auf Twitter dazu “verpflichtet” sich journalistisch zu verhalten?
Twitter ist ein schnelles Medium, sicher, aber auch hier gilt, dass man sich vergewissern sollte, auf welche Quelle man sich bezieht. Journalisten machen da keine Ausnahme. Schon gar nicht, weil sie schon berufsmäßig recherchieren (”ich hoffe es”) und sich das vielleicht bei Twitter lieber ersparen würden.
Gerade die Meldung, dass der Chefredkteur eines der diskussionswürdigsten deutschen Blätter sich bei Twitter breitmacht, sollte dann diesen Herren auch Anlass genug sein, sich der Richtigkeit ihrer Behauptungen zu vergewissern. Alles andere ist höchst unseriös.
Einen offensichtlich fragwürdigen Account dann auch noch bei Tweetranking zu empfehlen, nur weil man glaubt, es könnte der Richtige sein, wie es @Holgerschmidt getan hat, ist dann schließlich der Gipfel, der … ehm … Leichtfertigkeit.
Das Medium beherrschen – Stillschweigen und Löschen gehören in den Socialmedia-Kindergarten
Wenn man schon “Mist” baut, dann sollte man auch dazu stehen und nicht Tweets löschen (sie bleiben nämlich in der Suche erhalten). Auch über den “Fehler” hinwegsehen und von der eigenen Panne im Nachhinein ablenken, ist kein guter Stil.Vor allem, wenn man sich, wie Christian Lindner, aus der Verantwortung stilt und so tut, das das Medium “einfach so ist”.
Hier gilt für den einzelnen Twitterer – für wie professionell er sich auch immer halten mag – das Gleiche, wie für Unternehmen. Offen kommunizieren, für das gerade stehen, was man verbockt hat, und weiter machen. Das zeigt mehr Größe, als seine Tweets zu löschen. Das ist Kindergarten.





