#TwitternwiedieBahn (1/2)
by Volker Davids
Wer soll das denn nacher wieder alles löschen?
Worum geht´s?
Die Deutsche Bahn hat eine neue Kampagne gestartet. Unter @DBinga (facebook) & @DBingo tauschen zwei ungemein authentische Charaktere 140 Zeichen lange Pressetexte aus, die als #twittsoap verkauft werden. Das Motto:
Eigentlich ist damit schon alles gesagt, was man zu dieser Neuauflage von #vodafail beisteuern sollte. Man könnte aber auch schauen, was bitte der nächste Kandidat, der eine Social Media Kampagne starten möchte, vermeiden sollte…
1. Charaktere
Die Kampagne besteht aus dem Dialog von @dbinga und @dbingo.
@dbinga/Inga Zugreif hat ihr Abitur in Bahnitz gemacht und studiert jetzt. Ihre Hobbies sind Denkspiele, Technik und kreative Aufgaben. Ihre Schwächen sind Ungeduld und ihre “sehr direkte” Art.
Die Bio ist auch hübsch:
Ich bin nicht real, nur Teil einer Soap, von meinen Tipps und DB- Erfahrungsberichten können (Studien-)interessierte jedoch profitieren! Tipp: @DBingo
@dbingo/Ingo Bahnmüller hat Abitur und studiert in Mannheim, wie Inga. Seine Hobbies sind entwickln, prüfen und optimieren, seine Schwächen sind [und das ist ein echter Schenkelklopfer], dass er manchmal unpünktlich ist.
Die Bio darf natürlich nicht fehlen:
Teil einer TwittSoap und sehr informativ in Kombination mit @DBinga! Studien- und DB-Interessierte kommen auf ihre Kosten!
Entschuldigt Freunde, aber an welche Zielgruppe sollen sich diese Charaktere denn bitte wenden? Für wie blöd haltet ihr die Tweeple eigentlich. Ist das der Erstenwurf des neuen Praktikanten?
Damit kommen wir auch gleich zum zweiten Kritikpunkt
2. Konzept
So wie es ausschaut, soll mit den beiden Erstsemesterstudenten (Niveau) auf interessante “Entwicklungen” bei der Deutschen Bundesbahn hingewiesen werden. Grandios. In Dialogform, weil es bei Social Media ja um Dialog geht. Bevor ich weitergehe, hier ein Auszug einses solchen “Dialogs”
Wer soll das denn bitte schön lesen? Der Sprachstil erinnert mich an die Aufklärungsbücher in der 7. Klasse, die mit dem Glied und der Mumu.
Hinzu kommt, dass die Episoden so natürlich wirken, als habe man einen unterdurchschnittlichen Schreiber beauftragt, einen Pressetext zu schreiben, der dann – über CoTweet – für zwei Rollen runter geschrieben wird.
Zudem stellt sich hier die Frage, ob Frau Marie Voigt (@dbplanet) es nicht alleine schafft, Follower zu generieren, da ihr Account mit diesen schlechten Pressetweets beworben werden muss. Sind ihre eigenen Tweets so schlecht?
Liebe db, Social Media heißt nicht, das ihr einen Dialog inszenieren sollt. Social Media heißt vor allem, erstmal zuhören und den Dialog suchen. Wie schon Seth Godin sagte, “It´s not about you, it´s about me. Me, me, me, me!” Dem Nutzer muss es gefallen, dem Nutzer muss es einen Mehrwert bringen.
Tips gibts jede Woche
Jede Woche wird man überflutet von Tweets, die zwischen 5 und 10 Tips geben, wie man Social Media richtig angeht. Es sind inzwischen so viele, das es keinen Spaß mehr macht, sie zu retweeten. So langsam sollten sich zumindest das Basiswissen rumgesprochen haben.
Die Idee von DBinga & DBingo vermittelt den Eindruck, als hätte man sie für SchülerVZ entworfen und aus irgendwelchen Gründen – vielleicht haben die Konditionen nicht gepasst oder VZ hat einmal mitgedacht – wurde sie abgelehnt. Weil man sie jetzt aber schon mal hatte, schmeißt man sie in Twitter & Facebbok…
Damit sind wir schon beim nächsten Punkt, der Umsetzung.
Dazu mehr im zweiten Teil (folgt am Mittwoch, dem 4. November)

